Informationen zu sexueller Gewalt

WAS IST SEXUELLER MISSBRAUCH VON MÄDCHEN?

Sexueller Missbrauch liegt immer dann vor, wenn sich ein Mann einem Mädchen nähert in der klaren Absicht, das Mädchen für die eigene sexuelle Erregung bzw. Befriedigung zu benutzen. Sexueller Missbrauch ist demnach immer eine geplante Tat. Die Grenze zwischen kindgerechter Zärtlichkeit und sexuellem Missbrauch ist nicht fließend; ein Mann kann ein Mädchen nicht unbeabsichtigt oder zufällig missbrauchen.

Missbrauchende Männer betasten Mädchen, sie entblößen sich und/oder das Mädchen, reiben oder pressen den eigenen Körper an den des Mädchens, geben ihr Zungenküsse, zeigen ihr pornographische Filme oder Magazine, dringen mit Finger, Gegenständen oder dem Penis in die Scheide oder den After des Mädchens ein. Sie zwingen das Mädchen, sie mit der Hand oder dem Mund sexuell zu befriedigen und vieles mehr. Sexueller Missbrauch findet in der Regel über mehrere Jahre statt.

Ob ein Mädchen sexuell missbraucht wurde, lässt sich meist nicht medizinisch nachweisen.

Sexueller Missbrauch hat mit Liebe nichts zu tun. Da das Mädchen den missbrauchenden Erwachsenen meistens gut kennt und ihm vertraut, ist es für diesen leicht, das Kind in sexuelle Handlungen zu verwickeln. Hat er damit keinen Erfolg, setzt er das Mädchen psychisch unter Druck oder wendet körperliche Gewalt an, um sie gefügig zu machen.

In der Regel kann sich ein Mädchen gegen sexuelle Übergriffe nicht wehren: Sie tut, was der Erwachsene vorschlägt, weil sie ihm vertraut und nichts Böses von ihm erwartet. Sie durchschaut seine Absicht nicht.

Oftmals wird sie danach vom Missbraucher zur Geheimhaltung verpflichtet, indem er sie mit Geschenken belohnt, unter Druck setzt oder physisch bedroht.

Er sagt ihr, dass ihr niemand glauben werde, dass sie in ein Heim komme, dass ihre Mutter krank werde oder sterbe, dass er sie zusammenschlage oder töte etc., wenn sie darüber spreche.

Sexueller Missbrauch ist ein Teil der alltäglichen Gewalt gegen Frauen, vielleicht einer der prägendsten. Er führt dazu, dass Mädchen bzw. Frauen ängstlich und eingeschüchtert sind, dass sie sich wertlos fühlen und sich nicht wehren können.

WO FINDET SEXUELLER MISSBRAUCH VON MÄDCHEN STATT?

Mädchen und Jungen werden sexuell missbraucht. Die Statistik weist aus, dass Mädchen häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch werden als Jungen.

Viele denken, dass Mädchen besonders auf dem Spielplatz oder auf der Straße gefährdet seien, von einem fremden Mann sexuell missbraucht zu werden. Tatsächlich aber werden Mädchen in 95 % der Fälle von männlichen Familienangehörigen oder Männern aus dem nahen sozialen Umfeld sexuell missbraucht. Nur in etwa 5 % der Fälle kennt das Mädchen den Täter nicht.

Es sind überwiegend Männer, die ihnen anvertraute Mädchen sexuell missbrauchen: Väter, Stiefväter, Pflegeväter, Großväter, ältere Brüder oder Cousins, Onkel, der Freund der Mutter oder Freunde der Eltern, nahe Bekannte oder Nachbarn. Auch Pfarrer, Lehrer und Therapeuten können Täter sein. Es kann auch vorkommen, dass Frauen sexuell missbrauchen.

Das bedeutet, dass sexueller Missbrauch überwiegend dort stattfindet, wo ein Mädchen Schutz und Geborgenheit erwartet und zur ungestörten Entwicklung dringend benötigt: in der Familie. Der Familienangehörige, der ein Mädchen sexuell missbraucht, kann sich sicher sein, dass das Mädchen ihm vertraut, ihn vielleicht liebt und von ihm nichts Böses erwartet. Er verlässt sich darauf, dass das Mädchen gefühlsmäßig von ihm abhängig ist und dass er sie aufgrund seines Einflusses zum Schweigen verpflichten kann.

Nicht selten beutet ein missbrauchender Mann nicht nur ein Mädchen sexuell aus, sondern auch deren Schwestern, Freundinnen oder andere verwandte und bekannte Mädchen. Oft sucht er sich ein anderes Mädchen, das er sexuell missbrauchen kann, wenn das bisherige aus irgendeinem Grund für ihn nicht mehr verfügbar ist.

In den meisten Fällen übernehmen Männer, die Mädchen sexuell missbrauchen, keine Verantwortung für ihr Handeln. Sie bestreiten die Tat, oder sie verleugnen die zerstörerischen Folgen für das Mädchen. In den meisten Fällen haben die Täter kein Schuldbewusstsein.

Sexuell missbrauchende Männer unterscheiden sich äußerlich nicht von anderen Männern: Es ist einem Mann nicht anzusehen, ob er ein Mädchen sexuell missbraucht.

WELCHE FOLGEN HAT SEXUELLER MISSBRAUCH FÜR MÄDCHEN?

Sexueller Missbrauch schadet Mädchen immer. Weil der Missbraucher in der Regel zum engeren Familien- oder Bekanntenkreis gehört und weil er unter Drohungen das Schweigen erzwingt, versuchen viele Mädchen mit Hilfe von nonverbalen Hinweisen und Signalen, das Erlittene mitzuteilen. Diese “Signale” werden von anderen Familienmitgliedern, ErzieherInnen, LehrerInnen oder NachbarInnen oft übersehen, überhört, nicht verstanden oder falsch eingeordnet. Gelingt es einem Mädchen, über den Missbrauch zu sprechen, wird ihr häufig nicht geglaubt.

Oft bleibt den Mädchen in ihrer Hilflosigkeit und Isolation keine andere Wahl, als “auffällig” zu werden und auf diese Weise auf ihre Not aufmerksam zu machen:

Wenn ein Mädchen lügt, stiehlt, von zu Hause wegläuft, plötzlich in der Schule versagt, den Kontakt zu FreundInnen abbricht, oder wenn sie sich aufreizend benimmt oder sich völlig zurückzieht, ein besonderes Interesse an sexuellen Dingen zeigt, psychosomatische Beschwerden hat, Angst hat, allein zu bleiben, extrem zu- oder abnimmt, sich auffallend häufig wäscht, sich prostituiert oder Drogen nimmt, all dies und vieles andere können Hinweise auf sexuellen Missbrauch sein.

Diese Auffälligkeiten können auch andere Ursachen haben. Jedoch sollten Erwachsene immer in Betracht ziehen, dass sexueller Missbrauch diesen Störungen zugrunde liegen könnte.

Die psychischen Folgen von sexuellem Missbrauch sind umso schädlicher im Leben der Frau, je früher der Missbrauch beginnt, je länger er andauert und je enger der Täter zum Familienkreis gehört. Es kommt demnach entscheidend darauf an, sexuellen Missbrauch so früh wie möglich zu erkennen und zu beenden.

VERSTÄNDNIS UND ERSTE HILFE FÜR BETROFFENE MÄDCHEN

Erwachsene, die mit dem Thema “Sexuelle Gewalt” konfrontiert sind, fühlen sich oft hilflos, wenn sie erfahren, dass ein Mädchen in ihrer Umgebung sexuell missbraucht wird. Neben dem Bedürfnis, dem Mädchen zu helfen, bestehen Unsicherheiten, was zu tun ist, Angst vor Konsequenzen der “Einmischung” und vor allem Hemmungen, die sexuellen Missbrauchshandlungen anzusprechen.

In einem persönlichen Gespräch mit dem Mädchen ist folgendes zu beachten:

  • dem Mädchen uneingeschränkt glauben
  • dem Mädchen nichts versprechen, was nicht zu halten ist – nicht panisch reagieren
  • als Vertraute des Mädchens nie mit dem Missbraucher reden, um das Vertrauen nicht zu gefährden
  • dem Mädchen sagen, dass der Mann das nicht machen darf
  • dem Mädchen sagen, dass sie keine Schuld an den Missbrauchshandlungen des Mannes und den daraus entstehenden Folgen hat und sich dafür nicht schämen muss
  • dem Mädchen sagen, dass vielen Mädchen so etwas angetan wird
  • dem Mädchen sagen, dass es gut ist, dass sie darüber gesprochen hat.

    Deshalb sollte sich jede/jeder, die/der mit einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch konfrontiert ist, bei einer Fachberatungsstelle Beratung und Unterstützung holen.